Antidepressiva Umrechner
Referenz: Fluoxetin 20 mg/Tag · Basis: Furukawa et al. 2019 / WHO-DDD / Expertenkonsens
Nur für medizinisches Fachpersonal. Äquivalenzdosen sind Richtwerte aus Populationsstudien – kein Ersatz für klinisches Urteil. Bei Umstellung immer individuelle Verträglichkeit und Wechselwirkungen beachten.
① Substanz wählen
② Tagesdosis eingeben
③ Berechnungsmethode
Klassifikation
Substanz wählen und Dosis eingeben
Die Äquivalenzdosen erscheinen hier
Fluoxetin-Äquivalent
—
mg / Tag
Sertralin-Äquivalent
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mg / Tag
Substanzklasse
—
Methodenvergleich
Klinische Hinweise
Umstellungsstrategie
Absetzsyndrom-Risiko
Interaktionen
Äquivalenzdosen – Übersicht
Ausschleich-Konzept (Horowitz & Taylor 2019)
Hyperbolisches Ausschleichen empfohlen: Die letzten 10% der Dosis überproportional langsam reduzieren, da die SERT-Rezeptorbelegung in diesem Bereich am sensitivsten ist. Besonders bei Paroxetin und Venlafaxin (hohes Absetzsyndrom-Risiko) über mehrere Wochen bis Monate ausschleichen. Fluoxetin und Vortioxetin können aufgrund langer HWZ rascher abgesetzt werden.
Quellen
- Furukawa TA et al. Optimal dose of SSRIs, venlafaxine, and mirtazapine in major depression. Lancet Psychiatry. 2019. [SSRI + Venlafaxin + Mirtazapin]
- Cipriani A et al. Comparative efficacy and acceptability of 21 antidepressants. Lancet. 2018.
- Horowitz MA & Taylor D. Tapering of SSRI treatment. Lancet Psychiatry. 2019. [Ausschleich-Konzept]
- WHO Collaborating Centre for Drug Statistics. ATC/DDD Index. Oslo, 2024. [Fallback-Äquivalenzen]
Das Wichtigste in Kürze
🎯 Zweck: Umrechnung von Antidepressiva in Fluoxetin-Äquivalente (Referenz: Fluoxetin 20 mg/Tag)
💊 Substanzen: SSRI, SNRI, TZA und weitere – Primärquelle Furukawa et al. 2019, Fallback WHO-DDD
📐 Methode: Dosis-Wirkungs-Netzwerk-Meta-Analyse nach Furukawa (Lancet Psychiatry 2019, >60.000 Patient:innen); WHO-DDD als Fallback für TZA und seltenere Substanzen
⚠️ Cave: Wash-out beim Wechsel von/zu MAO-Hemmern obligat (mind. 14 Tage; nach Fluoxetin 5 Wochen vor Moclobemid); Paroxetin und Venlafaxin haben hohes Absetzsyndrom-Risiko
✅ Doku-Tipp: Bei Umstellung immer Äquivalenzdosis, verwendete Methode (Furukawa/DDD) und Ausschleichschema im Verlauf dokumentieren
Häufigste Umrechnungen auf einen Blick
Fluoxetin-Äquivalente für die gebräuchlichsten Substanzen – direkt abrufbar ohne Tool-Eingabe.
| Substanz | Beispieldosis | = Fluoxetin-Äq. | Quelle | Absetzsyndrom |
| Sertralin | 50 mg | 20mg | Furukawa 2019 | mittel |
| Escitalopram | 10mg | 20mg | Furukawa 2019 | mittel |
| Paroxetin | 20mg | 20mg | Furukawa 2019 | ⚠hoch |
| Venlafaxin | 75mg | 20mg | Furukawa 2019 | ⚠hoch |
| Duloxetin | 60mg | 20mg | Furukawa 2019 | mittel |
| Mirtazapin | 30mg | 20mg | Furukawa 2019 | niedrig |
| Amitriptylin | 75mg | 20mg | Furukawa 2019 | mittel |
| Moclobemid | 300mg | 20mg* | WHO-DDD | ⚠wash-out! |
* Kein Furukawa-Wert verfügbar – WHO-DDD-Fallback mit erhöhter Schätzunsicherheit. ⚠ Moclobemid: Wash-out vor/nach anderen Antidepressiva obligat.
Wie funktioniert die Antidepressiva Umrechnung?
Alle Antidepressiva unterscheiden sich erheblich in Potenz, Pharmakodynamik und Halbwertszeit. Die Umrechnung basiert auf dem Konzept der Fluoxetin-Äquivalente: Wie viel mg einer Substanz X entsprechen klinisch 20 mg Fluoxetin?
Die methodisch robusteste Grundlage bildet die Furukawa-Netzwerk-Meta-Analyse (2019), publiziert in Lancet Psychiatry. Sie analysierte über 60.000 Patienten aus Hunderten randomisierter Studien und lieferte erstmals dosis-wirkungs-basierte Äquivalenzen – nicht bloss pharmakologische Schätzungen. Als Referenz wurde Fluoxetin 20 mg/Tag gewählt.
GRUNDFORMEL
Fluoxetin-Äquivalent = (Dosis in mg ÷ Äquivalenzfaktor) × 20
Beispiel Venlafaxin 150 mg (Faktor 75):
(150 mg ÷ 75) × 20 = 40 mg Fluoxetin-Äquivalent
Für Substanzen ohne Furukawa-Daten (z.B. Milnacipran, Moclobemid, Trimipramin) werden die WHO Defined Daily Doses (DDD) als Fallback herangezogen. Diese bilden jedoch eine bevölkerungsstatistische Durchschnittsdosis – keine direkte Wirkäquivalenz.
Paroxetin und Venlafaxin: Hochrisiko-Substanzen beim Absetzen
Paroxetin (Seroxat®) und Venlafaxin (Trevilor®) gelten als die Antidepressiva mit dem höchsten Absetzsyndrom-Risiko in der klinischen Praxis. Trotz ähnlicher Fluoxetin-Äquivalenz (beide ca. 20 mg bei Standarddosis) unterscheiden sie sich erheblich in ihrer klinischen Handhabung.
FLUOXETIN-ÄQUIVALENTE (FURUKAWA 2019)Paroxetin 20 mg = 20 mg Fluoxetin-Äq. (HWZ ~21 h, kurz)
Venlafaxin 75 mg = 20 mg Fluoxetin-Äq. (HWZ 5–11 h, sehr kurz)
Venlafaxin 150 mg = 40 mg Fluoxetin-Äq.
Venlafaxin 225 mg = 60 mg Fluoxetin-Äq.⚠ Paroxetin: starker CYP2D6-Inhibitor – Wechselwirkungen beachten
Paroxetin hat keine aktiven Metaboliten und die kürzeste Halbwertszeit der SSRI (~21 Stunden). In Kombination mit starker anticholinerger Aktivität führt dies zu einem besonders ausgeprägten Absetzsyndrom. Empfohlen wird ein hyperbolisches Cross-Tapering über mindestens 4–8 Wochen.
Venlafaxin zeigt bereits nach wenigen ausgelassenen Dosen Absetzsymptome (Schwindelgefühl, «elektrische Schläge», Übelkeit). Die Umstellung auf Fluoxetin vor dem Ausschleichen ist eine etablierte klinische Strategie – Fluoxetin «puffert» durch seine lange Halbwertszeit den Absetzprozess.
Trizyklische Antidepressiva – Äquivalenzen und Besonderheiten
Trizyklische Antidepressiva (TZA) werden trotz ihrer Nebenwirkungsprofile weiterhin klinisch eingesetzt – insbesondere bei therapieresistenter Depression, Schmerzsyndromen und Schlafstörungen. Die Fluoxetin-Äquivalenzen basieren teilweise auf Furukawa 2019, für ältere Substanzen wird auf WHO-DDD zurückgegriffen.
TZA → FLUOXETIN-ÄQUIVALENTE
Amitriptylin 75 mg = 20 mg Fluoxetin (Furukawa
Clomipramin 75 mg = 20 mg Fluoxetin (Furukawa)
Doxepin 150 mg = 20 mg Fluoxetin (WHO-DDD)
Nortriptylin 75 mg = 20 mg Fluoxetin (WHO-DDD)
Imipramin 150 mg = 20 mg Fluoxetin (WHO-DDD)
⚠ TZA: EKG vor Therapiebeginn, TDM empfohlen
⚠ Kardiotoxizität: Alle TZA können QTc-Verlängerung und Arrhythmien verursachen. EKG vor Therapiebeginn obligat; bei Überdosis lebensbedrohlich.
⚠ Anticholinerge NW: Mundtrockenheit, Obstipation, Harnverhalt, Sedierung – besonders relevant bei älteren Patienten. Cave: Demenz-Patienten.
! Clomipramin bei OCD: Clomipramin ist der stärkste serotonerge TZA und Mittel der Wahl bei Zwangsstörungen – besonders bei SSRI-Therapieresistenz. Serotonin-Syndrom-Risiko bei Kombination beachten.
Furukawa 2019 vs. WHO-DDD – Methodenvergleich
Für Antidepressiva-Äquivalenzdosen stehen zwei Hauptquellen zur Verfügung: die Furukawa-Meta-Analyse (2019)und die WHO Defined Daily Doses (DDD). Beide haben unterschiedliche Stärken und Limitationen.
| Kriterium | Furukawa 2019 | WHO-DDD |
| Methodik | Netzwerk-Meta-Analyse (>60.000 Pat.) | Populationsstatistik |
| Abbildung | Direkte Wirkäquivalenz | Durchschnittliche Tagesdosis |
| Substanzabdeckung | 14 Antidepressiva | Alle zugelassenen Substanzen |
| TZA / ältere Substanzen | Eingeschränkt | Vollständig enthalten |
| Empfehlung | Primärquelle | Fallback für fehlende Werte |
METHODENVERGLEICH BEISPIEL: AMITRIPTYLIN 100 MG
Furukawa: (100 mg ÷ 75) × 20 = 26,7 mg Fluoxetin-Äq.
WHO-DDD: (100 mg ÷ 150) × 20 = 13,3 mg Fluoxetin-Äq.
Δ = 13,4 mg (50%) – klinisch erhebliche Diskrepanz bei TZA!
Grenzen der Äquivalenzdosen beim Ausschleichen
Äquivalenzdosen sind Populationsmittelwerte und berücksichtigen keine individuellen Faktoren. Die folgenden Limitationen müssen bei der klinischen Anwendung beachtet werden:
⚠ Toleranzentwicklung: Bei langjähriger Einnahme kann die effektive Dosis deutlich von der berechneten Äquivalenz abweichen. Die Toleranz entwickelt sich substanzspezifisch.
⚠ Hyperbolisches Ausschleichen: Horowitz & Taylor (2019) zeigten, dass gleiche mg-Schritte am unteren Dosisende zu überproportionaler Rezeptorveränderung führen – daher empfehlen sich immer kleinere Schritte (<5% der Vortagesdosis) am Ende.
⚠ Pharmakogenetik: CYP3A4- und CYP2C19-Polymorphismen beeinflussen die Metabolisierung erheblich. Besonders bei Midazolam, Triazolam und Alprazolam können Slow/Rapid Metabolizer erheblich abweichen.
⚠ Kombinationstherapien: Gleichzeitige Antipsychotika, Antidepressiva oder Antiepileptika können den Ausschleichverlauf beeinflussen.
HYPERBOLISCHE REDUKTION (HOROWITZ & TAYLOR 2019)
Von 20 mg auf 18 mg Fluoxetin = −X% SERT-Besetzung (proportional gering)
Von 4 mg auf 2 mg Fluoxetin = überproportional grosser Sprung in SERT-Besetzung
Empfehlung: ≤10% Reduktion pro Schritt · 2–4 Wochen Pause · Am unteren Ende ≤2 mg-Schritte
FAQ
Was ist ein Antidepressiva-Äquivalent?
Ein Antidepressiva-Äquivalent beschreibt die äquipotente Dosis eines Antidepressivums im Vergleich zur Referenzsubstanz Fluoxetin 20 mg/Tag. Auf dieser Basis lässt sich berechnen, welche Dosis eines anderen Antidepressivums in etwa derselben antidepressiven Wirkstärke entspricht. Grundlage: Furukawa et al. 2019 (Netzwerk-Meta-Analyse, >60.000 Patienten).
Wie viel Fluoxetin entspricht Venlafaxin 150 mg?
Nach Furukawa et al. (2019) entspricht Venlafaxin 75 mg dem Referenzwert Fluoxetin 20 mg. Venlafaxin 150 mg entspricht daher 40 mg Fluoxetin-Äquivalent. Formel: (150 ÷ 75) × 20 = 40 mg. Unser Rechner berechnet dies automatisch für jede eingegebene Dosis.
Was ist beim Wechsel von Paroxetin auf ein anderes Antidepressivum zu beachten?
Paroxetin hat ein hohes Absetzsyndrom-Risiko (kurze HWZ ~21 h) und ist ein starker CYP2D6-Inhibitor. Empfohlen wird Cross-Tapering mit langsamem, hyperbolischem Ausschleichen über mehrere Wochen. Cave: kontraindiziert mit Tamoxifen (CYP2D6-Inhibition → Wirkungsverlust). Erhöhte Spiegel von Trizyklika und Antipsychotika durch CYP2D6-Hemmung beachten.
Wann ist ein Wash-out bei Antidepressiva zwingend erforderlich?
Ein Wash-out ist beim Wechsel von oder zu MAO-Hemmern zwingend notwendig, um das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom zu vermeiden. Standard: 14 Tage nach irreversiblem MAOH; 1–2 Tage nach Moclobemid. Vor Moclobemid-Beginn: mind. 1 Woche nach anderen Antidepressiva; nach Fluoxetin 5 Wochen (sehr lange Halbwertszeit).
Was versteht man unter hyperbolischem Ausschleichen von Antidepressiva?
Horowitz & Taylor (2019) zeigten, dass die SERT-Besetzung hyperbolisch verläuft. Die letzten 10% der Dosis bewirken einen überproportional grossen Sprung in der Rezeptorbesetzung. Daher: Dosis in prozentual gleichbleibenden Schritten (≤10%) reduzieren – nicht in gleichen mg-Schritten. Besonders relevant bei Paroxetin und Venlafaxin für ein symptomarmes Absetzen.
Welches Antidepressivum hat das geringste Absetzsyndrom-Risiko?
Fluoxetin hat das geringste Absetzsyndrom-Risiko (HWZ 1–4 Wochen, wirkt gewissermassen selbst-ausschleichend). Ebenfalls niedrig: Vortioxetin und Mirtazapin. Das höchste Risiko tragen Paroxetin (kurze HWZ, anticholinerge Aktivität) und Venlafaxin (sehr kurze HWZ, ausgeprägte Rebound-Symptome).
Was ist der Unterschied zwischen Furukawa 2019 und WHO-DDD?
urukawa (2019) basiert auf einer Netzwerk-Meta-Analyse mit >60.000 Patienten und bildet direkte Wirkäquivalenzen ab. WHO-DDD sind bevölkerungsstatistische Durchschnittsdosen – keine Wirkäquivalenz. Bei TZA können die Werte um bis zu 50% abweichen (Beispiel: Amitriptylin 100 mg = 26,7 mg Fluoxetin-Äq. nach Furukawa vs. 13,3 mg nach DDD). Furukawa ist die bevorzugte Methode.
Für wen ist dieser Rechner geeignet?
Der Rechner ist ausschliesslich für medizinisches Fachpersonal konzipiert – Psychiater, Allgemeinmediziner, Assistenzärzte in Psychiatrie und Psychosomatik. Äquivalenzdosen sind Populationsrichtwerte und kein Ersatz für individuelles klinisches Urteil, Anamnese und Berücksichtigung von Komorbiditäten.
Autor:
Dr. med. univ Robert Trojak
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Fokus: digitale Tools für den klinischen Alltag, evidenzbasierte Dokumentation
