Antipsychotika Wechselplaner
Strukturierte Planung des Substanzwechsels · Cross-Tapering, Plateau-Methode, Abrupter Switch
Nur für medizinisches Fachpersonal. Dieser Wechselplan ist ein klinisches Hilfsmittel – kein Ersatz für individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Patientensicherheit, Komorbiditäten und Komedikation stets berücksichtigen.
1 · Aktuelles Antipsychotikum
2 · Ziel-Antipsychotikum
3 · Wechselstrategie
Cross-Tapering
Altes AP ausschleichen während neues aufdosiert wird
Plateau-Methode
Erst neues AP auf Zieldosis, dann altes ausschleichen
Abrupter Switch
Sofortiger Wechsel ohne Überlappung
4 · Dauer & Schrittgrösse
Empfehlung für Cross-Tapering: 2–6 Wochen
Substanzen und Strategie wählen
Der Wechselplan erscheint hier
Von
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Zu
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Strategie
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Äquivalenzvergleich (OLZ-Äquivalente)
| Zeitraum | Aktuell (mg/d) | Ziel (mg/d) |
|---|
Quellen
[1] Weiden PJ et al. Switching antipsychotics. J Clin Psychiatry. 1997;58(Suppl 10):63–72.
[2] Remington G et al. Switching antipsychotics: guide to selection and substitution. CNS Drugs. 2005;19(7):545–69.
[3] Stahl SM. Stahl's Essential Psychopharmacology. 5th ed. Cambridge University Press; 2021.
[4] Leucht S et al. Dose-Response Meta-Analysis. Am J Psychiatry. 2020;177(4):342–353.
Das Wichtigste in Kürze:
🔄 Zweck: Strukturierte Planung des Antipsychotika-Wechsels mit Tages- oder Wochenplan, Dosistabelle und substanzspezifischen Warnhinweisen
📅 Zwei Modi: Tagesplan (stationär, 1–21 Tage) und Wochenplan (ambulant, 1–12 Wochen)
📐 3 Strategien: Cross-Tapering (empfohlen), Plateau-Methode, abrupter Switch – mit automatischer Risikokennzeichnung
⚠️ Cave Clozapin: Niemals abrupt absetzen – min. 4–8 Wochen ausschleichen, Blutbild bis 4 Wochen nach letzter Dosis kontrollieren
✅ Doku-Tipp: Strategie, konkreten Tages-/Wochenplan und OLZ-Äquivalente immer im Austrittsbericht dokumentieren
Häufige Wechsel auf einen Blick
Empfohlene Strategie und Dauer – ambulant (Wochen) und stationär (Tage)
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Von |
Zu |
Strategie |
Ambulant |
Stationär |
Grund |
|
Risperidon |
Olanzapin |
Cross-Tapering |
4 Wo. |
7–10 T. |
EPS unter Risperidon |
|
Olanzapin |
Aripiprazol |
Cross-Tapering |
4–6 Wo. |
10–14 T. |
Metabolische NW |
|
Haloperidol |
Risperidon |
Cross-Tapering |
4 Wo. |
7–10 T. |
EPS-Reduktion, SGA-Umstieg |
|
Quetiapin |
Aripiprazol |
Plateau |
6 Wo. |
14–21 T. |
Sedierung, metabolische NW |
|
Clozapin |
Olanzapin |
Cross-Tapering |
8–12 Wo. |
⚠ min. 28 T. |
Agranulozytose / NW |
|
Risperidon |
Paliperidon |
Abrupt möglich |
1 Wo. |
2–3 T. |
Paliperidon = aktiver Metabolit |
|
Haloperidol |
Clozapin |
Plateau |
6–8 Wo. |
14–21 T. |
Therapieresistenz |
Nach Weiden et al. 1997, Remington et al. 2005, Stahl 2021, Maudsley Guidelines 2021.
Was ist Cross-Tapering?
Cross-Tapering ist die empfohlene Standardstrategie beim elektiven Antipsychotika-Wechsel. Dabei werden altes und neues Antipsychotikum gleichzeitig und gegenläufig dosiert – das alte AP wird ausgeschlichen, das neue aufdosiert. Zu keinem Zeitpunkt besteht eine antipsychotische Unterversorgung.
Bei der Behandlung der F20.0 Paranoiden Schizophrenie ist Cross-Tapering besonders relevant – ein abrupter Wechsel kann bei psychotisch vulnerablen Patienten eine Exazerbation auslösen.
Cross-Tapering stationär – Tagesplan
Im stationären Setting ist ein engmaschigerer Tagesplan möglich, da Monitoring und Dosisanpassung täglich erfolgen können. Cross-Tapering ist hier in 5–14 Tagen durchführbar – unter täglicher Kontrolle auf EPS, Sedierung und Vitalzeichen.
Monitoring stationär: Täglich EPMS-Score, Sedierungsgrad, Blutdruck (orthostatische Hypotonie besonders bei Wechsel zu Quetiapin oder Clozapin). Bei klinischer Instabilität: Wechselgeschwindigkeit reduzieren.
Zur Berechnung der genauen Äquivalenzdosen beider Substanzen → Antipsychotika Umrechner.
Wechsel von Olanzapin auf Aripiprazol
Häufig indiziert bei metabolischem Syndrom, Gewichtszunahme oder Dyslipidämie unter Olanzapin.
Äquivalenz: 10 mg Olanzapin ≈ 18,4 mg Aripiprazol (ED95, Leucht 2020)
Ambulant – 4-Wochen-Schema (10 mg OLZ → 15 mg ARI)
Woche 1: Olanzapin 7,5 mg · Aripiprazol 4 mg
Woche 2: Olanzapin 5 mg · Aripiprazol 8 mg
Woche 3: Olanzapin 2,5 mg · Aripiprazol 11 mg
Woche 4: Olanzapin 0 mg · Aripiprazol 15 mg ✓
Cave Aripiprazol: Als partieller D2-Agonist kann Aripiprazol initial Akathisie, innere Unruhe und Insomnie verursachen – insbesondere wenn das sedierende Olanzapin gleichzeitig reduziert wird. Kurzfristige Benzodiazepingabe als Überbrückung erwägen.
Sonderfall: Clozapin ausschleichen
⚠ Clozapin darf niemals abrupt abgesetzt werden. Risiken: Cholinerger Rebound (Hypersalivation, Schwitzen, Tachykardie, Übelkeit), Rebound-Psychose und cholinerg-vegetative Krisen. Ausschleichen über mindestens 4–8 Wochen, bei Hochdosis (>400 mg/d) über 12 Wochen. Blutbild-Monitoring bis 4 Wochen nach letzter Dosis fortführen.
Beim Clozapin-Absetzen ist die Plateau-Methode bevorzugt: Das neue AP wird zunächst auf die Zieldosis aufdosiert – erst dann wird Clozapin ausgeschlichen. So ist die antipsychotische Abdeckung jederzeit gesichert
Plateau-Methode vs. Cross-Tapering
| Kriterium | Cross-Tapering | Plateau-Methode |
|---|---|---|
| Empfehlung | Standard | Hochrisikopatienten, Clozapin |
| Ambulant | 2–6 Wochen | 4–10 Wochen |
| Stationär | 5–14 Tage | 10–21 Tage |
| Rebound-Risiko | Niedrig | Sehr niedrig |
| Polypharmazie | Temporär, abnehmend | Länger, höhere Last |
Was muss beim Wechsel dokumentiert werden?
- Bisherige Substanz und Tagesdosis
- Zielsubstanz und Zieldosis
- Äquivalenzdosen mit Methodenangabe (ED95/DDD nach Leucht)
- Wechselstrategie mit Begründung
- Konkreter Tages- oder Wochenplan mit Dosierungen
- Aktueller Stand bei Entlassung (wenn Wechsel noch läuft)
- Monitoring-Parameter (EPMS, Metabolik, EKG bei QTc-relevanten AP)
Beispiel Austrittsbericht:
„Umstellung Risperidon 4 mg/d
auf Aripiprazol 15 mg/d wegen EPS.
Cross-Tapering über 7 Tage stationär begonnen.
Bei Entlassung (Tag 5): Risperidon 1,5 mg + Aripiprazol 11 mg.
Fortsetzung und Abschluss durch FA Psychiatrie ambulant.“
FAQ
Was ist Cross-Tapering bei Antipsychotika?
Cross-Tapering bedeutet das gleichzeitige, gegenläufige Dosieren beider AP: Das alte wird ausgeschlichen, das neue aufdosiert – typisch über 2–6 Wochen (ambulant) oder 5–14 Tage (stationär). Zu keinem Zeitpunkt besteht eine antipsychotische Unterversorgung. Empfohlene Standardstrategie (Remington et al., CNS Drugs 2005).
Wie lange dauert Cross-Tapering stationär?
Stationär ist Cross-Tapering in 5–14 Tagen möglich – tägliches Monitoring vorausgesetzt. Typisch: 7 Tage für einfache Wechsel (z.B. Risperidon → Olanzapin). Komplexere Wechsel (Hochdosis-FGA, Clozapin) benötigen auch stationär mehr Zeit. Ambulant: 2–6 Wochen.
Was ist der Unterschied zwischen Cross-Tapering und Plateau-Methode?
Beim Cross-Tapering: Beide AP gleichzeitig gegenläufig dosieren. Bei der Plateau-Methode: Erst neues AP auf Zieldosis (Phase 1), dann altes ausschleichen (Phase 2). Plateau = niedrigeres Rebound-Risiko, aber längere Polypharmaziephase. Plateau bevorzugt bei Clozapin-Absetzen und instabilen Patienten.
Wie wechsle ich von Risperidon auf Olanzapin?
Äquivalenz: 4 mg Risperidon ≈ 25 mg OLZ-Äquivalent (ED95, Leucht 2020). Cross-Tapering: ambulant 4 Wochen, stationär 7–10 Tage.
Ambulant: W1: Risp 3+OLZ 2,5 · W2: Risp 2+OLZ 5 · W3: Risp 1+OLZ 7,5 · W4: Risp 0+OLZ 10
Stationär: T1: Risp 3,5+OLZ 1,5 · T3: Risp 2,5+OLZ 4 · T5: Risp 1,5+OLZ 6,5 · T7: Risp 0+OLZ 10
Wie wechsle ich von Olanzapin auf Aripiprazol?
Äquivalenz: 10 mg Olanzapin ≈ 18,4 mg Aripiprazol (ED95, Leucht 2020). Cross-Tapering: ambulant 4–6 Wochen, stationär 10–14 Tage. Cave: Initiale Akathisie und Insomnie unter Aripiprazol möglich – kurzfristige BZD-Gabe als Überbrückung erwägen.
Wie setze ich Clozapin ab?
Niemals abrupt. Mindestens 4–8 Wochen ausschleichen, bei Hochdosis (>400 mg/d) bis 12 Wochen. Blutbild bis 4 Wochen nach letzter Dosis. Plateau-Methode empfohlen: Ziel-AP zuerst auf Wirkdosis bringen, dann Clozapin schrittweise reduzieren.
Wann ist ein abrupter Switch indiziert?
Nur bei zwingender Notwendigkeit: Malignes neuroleptisches Syndrom, schwere Agranulozytose, lebensbedrohliche QTc-Verlängerung. Elektiv immer Cross-Tapering. Risiken: Rebound-Psychose, hämodynamische Instabilität, cholinerger Rebound.
Was dokumentiere ich beim AP-Wechsel im Austrittsbericht?
Bisherige + neue Substanz mit Dosis, Äquivalenzdosen (Methode angeben), Wechselstrategie + Begründung, konkreter Tages-/Wochenplan, aktueller Stand bei Entlassung, Monitoring-Parameter. Bei laufendem Wechsel bei Entlassung: Fortsetzungsschema für den Niedergelassenen mitgeben.
Autor:
Dr. med. univ Robert Trojak
Assistenzarzt Psychiatrie & Psychotherapie | Gründer psychiatrie-digital.com
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