F23.8 Sonstige akute vorübergehende psychotische Störungen

Das Wichtigste in Kürze: 

✓ Kernmerkmal: Akute psychotische Zustände mit raschem Onset, die die spezifischen Kriterien für polymorphe oder schizophreniforme Subtypen nicht erfüllen.

✓ Leitsymptome: Akuter Realitätsverlust (Wahn, Halluzinationen), der untypisch gefärbt ist oder dessen Symptomkonstellation keiner der gängigen Kategorien entspricht.

✓ ICD-11 Update: Diese Restkategorie wird in der ICD-11 vollständig aufgelöst und in die übergeordnete Diagnose 6A23 (Akute und vorübergehende psychotische Störung) integriert.

✓ Zeitkriterium: Wie bei der gesamten Gruppe gilt: Entwicklung des Vollbildes innerhalb von maximal 2 Wochen.

✓ Doku-Tipp: Nutzen Sie diesen Code nur dann, wenn alle anderen F23-Untergruppen ausgeschlossen wurden, um eine präzise statistische Erfassung zu gewährleisten.

Definition

Sammelkategorie für seltene oder atypische akute Psychosen, die die Grundkriterien erfüllen, aber nicht näher spezifizierbar sind.

Diagnosekriterien nach ICD-10

    • Akuter Beginn

    • Psychotische Symptomatik

    • Kurzzeitiger Verlauf

    • Ausschluss anderer Diagnosen

Update zu ICD-11

  • Vollständige Integration: Die ICD-11 verzichtet auf kleinteilige „Sonstige“-Kategorien innerhalb der akuten Psychosen. Alles wird unter 6A23 (Acute and transient psychotic disorder) zusammengefasst.
  • Dimensionale Beschreibung: Anstatt eine „sonstige“ Kategorie zu wählen, beschreibt der Kliniker in der ICD-11 die vorliegenden Symptome über Dimensionen (z. B. 6A23 mit Fokus auf psychomotorische Störungen oder Desorganisation). Dies ist fachlich präziser als ein Sammelcode.

  • Zeitlicher Rahmen: Die Grenze für die Aufrechterhaltung der Diagnose 6A23 liegt bei 3 Monaten. Dies bietet genug Zeit, um zu beobachten, ob sich das „sonstige“ Bild in eine klassische Schizophrenie (6A20) oder eine affektive Störung entwickelt.

  • Stressfaktor-Kodierung: Besonders bei untypischen („sonstigen“) Verläufen erlaubt die ICD-11 die wichtige Zusatzangabe, ob eine erhebliche akute Belastung vorlag, was prognostisch oft entscheidend ist.

FAQ

Was wird unter F23.8 kodiert?

F23.8 ist eine Restkategorie für akute vorübergehende psychotische Episoden, die zwar eindeutig psychotischer Natur sind, aber keiner der anderen F23.x-Unterkategorien (F23.0–F23.3) zugeordnet werden können. Sie wird in der Praxis selten vergeben und sollte — wie alle F23-Restkategorien — als vorläufige Diagnose behandelt werden.

Wie unterscheidet sich F23.8 von F23.3 und F23.9?

F23.3 beschreibt vorwiegend wahnhafte akute Episoden ohne polymorphes Bild. F23.8 ist breiter gefasst und umfasst weitere atypische Präsentationen, die sich keiner Untergruppe eindeutig zuordnen lassen. F23.9 hingegen wird bei echter diagnostischer Unsicherheit (fehlende Anamnese, unklares Bild) vergeben — F23.8 setzt ein klareres klinisches Bild voraus, das aber keiner spezifischen Kategorie entspricht.

Was gehört in den Austrittsbericht bei F23.8?

Da F23.8 eine diagnostisch offene Kategorie ist, muss im Austrittsbericht explizit begründet werden, warum keine spezifischere F23-Diagnose vergeben wurde. Verlaufsbeobachtung zur Diagnosepräzisierung ist obligat — dieser Auftrag muss im Procedere mit konkretem ambulantem Psychiater festgehalten werden.