F23.9 Akute vorübergehende psychotische Störung, nicht näher bezeichnet
Das Wichtigste in Kürze:
✓ Kernmerkmal: Akute psychotische Episode mit raschem Onset, bei der keine ausreichenden Informationen für eine spezifischere Einordnung (z. B. polymorph oder schizophreniform) vorliegen.
✓ Leitsymptome: Unspezifische akute Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, die innerhalb von maximal 2 Wochen entstanden sind.
✓ ICD-11 Update: Die „n.n.b.“-Kategorie wird in der ICD-11 zugunsten der einheitlichen Diagnose 6A23 (Akute und vorübergehende psychotische Störung) aufgelöst.
✓ Klinischer Nutzen: Dient oft als vorläufige Arbeitsdiagnose bei der Erstaufnahme im Notfalldienst, bis die Fremdanamnese oder Verlaufsbeobachtung eine genauere Diagnose erlaubt.
✓ Doku-Tipp: Vermeiden Sie die dauerhafte Verwendung der F23.9. Präzisieren Sie die Diagnose im Verlauf der Behandlung (z. B. Wechsel zu F23.0 oder F20.x), sobald die Phänomenologie klarer erkennbar ist.
Definition
Vorläufige Diagnose bei akuter Psychose, wenn noch keine ausreichenden Informationen zur genaueren Klassifikation vorliegen.
Diagnosekriterien nach ICD-10
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Akute psychotische Symptome
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Dauer < 3 Monate
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Diagnostik noch nicht abgeschlossen
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Update zu ICD-11
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Zusammenführung: In der ICD-11 entfallen die „nicht näher bezeichneten“ Subtypen innerhalb der akuten Psychosen. Alle Fälle werden unter dem Code 6A23 (Acute and transient psychotic disorder) erfasst.
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Qualität der Diagnose: Während die F23.9 in der ICD-10 oft wie eine „minderwertige“ Diagnose wirkt, ist die 6A23 in der ICD-11 eine vollwertige, klinisch anerkannte Entität, die den gesamten Bereich akuter Psychosen abdeckt.
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Dimensionale Ergänzung: Anstatt „nicht näher bezeichnet“ zu wählen, kann der Kliniker in der ICD-11 nun einfach die vorliegenden Symptome (Wahn, Halluzinationen, Desorganisation) als Dimensionen gewichten, auch wenn das Vollbild noch unklar ist.
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Dauer bis zu 3 Monate: Die ICD-11 gewährt dem Kliniker mehr Zeit (bis zu 3 Monate), um die psychotische Episode unter 6A23 zu beobachten, bevor eine endgültige Entscheidung über eine chronische Diagnose (wie Schizophrenie) getroffen werden muss.
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Vereinfachte Dokumentation: Für die Abrechnung und Statistik entfällt die Suche nach dem „passendsten“ Subtyp der F23-Gruppe, was die Fehlerquote in der Dokumentation senkt.
FAQ
Wann verwende ich F23.9 und wann ist eine spezifischere Kodierung möglich?
F23.9 ist eine Notfall- und Verlegenheitsdiagnose bei unklarer Anamnese, Sprachbarrieren oder akutem Krisenkontext ohne vollständige Diagnostik. Sie ist als vorläufige Diagnose gedacht — nach Abklärung und Verlaufsbeobachtung sollte immer eine Revision auf eine spezifischere Kategorie erfolgen. Eine persistierende F23.9-Kodierung im Austrittsbericht ohne Begründung ist ein Hinweis auf unvollständige Diagnostik.
Wie kommuniziere ich diagnostische Unsicherheit korrekt im Austrittsbericht?
Empfohlene Formulierung: „Unter dem Bild einer akuten vorübergehenden psychotischen Störung (F23.9) aufgenommen; nach klinischer Stabilisierung und weiterführender Abklärung ist im Verlauf eine diagnostische Einordnung als [Differentialdiagnosen benennen] wahrscheinlich. Ambulante Verlaufsbeobachtung zur Diagnosepräzisierung empfohlen.“
Welche Differentialdiagnosen müssen bei F23.9 aktiv ausgeschlossen werden?
Substanzinduzierte Psychose (F1x.5), organische Psychose (F06.x), affektive Störung mit Psychose (F30.2, F32.3), akute Schizophrenie (F20.x) sowie Autoimmunenzephalitis (Anti-NMDA-R u.a.). Die Dokumentation des Ausschlussprozesses im Aufnahmebefund ist medicolegaler Schutz.
Wie wird F23.9 in ICD-11 kodiert?
In der ICD-11 entfallen die F23-Unterkategorien weitgehend. Episoden, die bisher als F23.9 kodiert wurden, werden je nach Symptomdimension und Verlauf als „Akute und vorübergehende psychotische Störung (6A23)“ klassifiziert. Die Kategorie 6A23 ersetzt die gesamte F23.x-Gruppe und betont ebenfalls den vorübergehenden Charakter.