Arztbrief Psychiatrie schreiben: Aufbau, Beispiel und Vorlagen für den Austrittsbericht

 

So baue ich einen psychiatrischen Austrittsbericht bzw. Entlassbrief nach dem EVAP-Schema auf: vier Phasen mit zehn Abschnitten, jeweils mit Beispielformulierung, typischen Fehlern und meinen Tipps aus dem Stationsalltag. 

KURZ ERKLÄRT:

Der psychiatrische Austrittsbericht, in Deutschland Entlassbrief und in Österreich Entlassungsbrief genannt, ist der Arztbrief bzw. Arztbericht am Ende eines stationären Aufenthalts in der Psychiatrie. Er fasst den Aufenthalt für die nachbehandelnden Ärztinnen und Ärzte zusammen: warum die Patientin oder der Patient kam, was behandelt wurde, wie es gewirkt hat und wie es weitergeht. In der Psychiatrie gehören ausserdem die Gefährdungseinschätzung, die Rechtsgrundlage des Aufenthalts und die Suizidalität bei Austritt dazu.

Von Dr. med. univ. Robert Trojak, Assistenzarzt Psychiatrie & Psychotherapie · für die Schweiz, Deutschland und Österreich · Zuletzt aktualisiert: [26.09.2026]

Das EVAP-Schema für den psychiatrischen Austrittsbericht

Das EVAP-Schema von Psychiatrie Digital gliedert den psychiatrischen Austrittsbericht bzw. Entlassungsbrief in die vier Phasen Eintritt, Verlauf, Austritt und Prozedere. EVAP steht für die Anfangsbuchstaben dieser Phasen. Die Phasen enthalten zusammen zehn Abschnitte: Zuweisung, Eintrittssymptome und Gefährdung bei Eintritt im Eintritt; Behandlung, weitere Therapien, Gefährdung im Verlauf, Rechtliches und Diagnostik im Verlauf; dazu Austritt und Prozedere.

 

EEintrittZuweisung, Eintrittssymptome, Gefährdung bei Eintritt
VVerlaufBehandlung, weitere Therapien, Gefährdung im Verlauf, Rechtliches, Diagnostik
AAustrittEntlassungsmodalität, Entlasszustand, Suizidalität
PProzedereNachbehandlung, Kontrollen, Therapiekontinuität, Mitgaben

Anamnese, Befunde und Stammdaten werden für gewöhnlich aus dem Klinikinformationssystem (KIS) übernommen oder lassen sich aus den Eintrittsblättern übertragen. Das EVAP-Schema konzentriert sich deshalb auf den Teil, den du selbst formulieren musst: die Epikrise mit Therapie und Verlauf, eingebettet in Eintritt, Austritt und Prozedere.

Ich habe dieses Schema entwickelt, weil ich beim Schreiben meiner eigenen Austrittsberichte, immer wieder dieselben Formulierungen neu getippt habe. Über mehrere Monate habe ich ein System entwickelt und typische Formulierungen gesammelt und nach ICD-10 geordnet. Daraus ist das EVAP-Schema entstanden, eine Gliederung in vier Phasen, die dem Aufenthalt folgt: vom Eintritt über den Verlauf bis zum Austritt und dem Prozedere danach.

Wichtig war mir dabei, dass über die Gefährdung dreimal nachgedacht wird: bei Eintritt, im Verlauf und als Suizidalität bei Austritt. Sollte die Gefährdung zu keinem Zeitpunkt Thema gewesen sein, dann gewöhnte ich es mir an, dies im Teil Austritt zu vermerken.

Auf dieser Struktur baut auch unser Textbaustein-Generator auf, der für jede Phase und jeden Abschnitt ICD-10-konforme Formulierungen bereitstellt.

E wie Eintritt: Zuweisung, Symptome und Gefährdung bei Aufnahme

Die Phase Eintritt umfasst alles, was bei der Aufnahme dokumentiert wird: Zuweisung, Eintrittssymptome und Gefährdung bei Eintritt.

E1 Zuweisung: wer, wie und auf welcher Rechtsgrundlage?

Im Abschnitt Zuweisung des psychiatrischen Austrittsberichts stehen Zuweisungsart, Zuweiser, Rechtsgrundlage und Zuweisungsgrund.

Er zeigt den Nachbehandelnden auf einen Blick, wie dringlich die Aufnahme war und ob sie freiwillig erfolgte. Die Rechtsgrundlage ist besonders wichtig, weil sie den weiteren Verlauf und die rechtliche Lage bei Austritt prägt.

💡 Mein Tipp:Prüfe bei neuen Patienten auf Station nach Eintritt nochmals die Rechtsgrundlage. Bei Patienten die im Dienst kommen kann es vorkommen, dass nicht alle Unterlagen im Dienst mitgeliefert wurden. 

 

Was gehört hinein?

Zuweisungsart: Ob der Eintritt geplant oder notfallmässig erfolgte.

Zuweiser: Wer die Aufnahme veranlasst hat, etwa Hausärztin, ambulanter Psychiater, eine andere Klinik oder die Patientin bzw. der Patient selbst.

Rechtsgrundlage: Freiwilliger Eintritt oder Unterbringung: in der Schweiz als FU, in Deutschland nach PsychKG bzw. BGB, in Österreich nach UbG.

Zuweisungsgrund: Der konkrete Anlass der Aufnahme, zum Beispiel eine akute Eigengefährdung oder eine ambulant nicht mehr beherrschbare Symptomatik.

 

Beispiel entwickelt durch den Generator: 

Die Aufnahme erfolgte aufgrund einer notfallmässigen Zuweisung durch die Klinik: ___ auf freiwilliger Rechtsgrundlage. Die Zuweisung erfolgte aufgrund einer akut erhöhten Eigengefährdung (z.B. konkrete Suizidplanung oder massiver Selbstverletzungsdruck), die ambulant nicht mehr managebar war.

 

Häufige Fehler: 

⚠ Rechtsgrundlage fehlt oder bleibt unklar: freiwilliger Eintritt oder Unterbringung (FU, PsychKG bzw. BGB, UbG)?

⚠ Der Zuweisungsgrund wiederholt nur die Diagnose, statt den konkreten Anlass zu nennen.

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E2 Eintrittssymptome: das Syndrom bei Aufnahme

Die Eintrittssymptome beschreiben den psychopathologischen Zustand bei Aufnahme: die Symptome nach ICD-10, das führende Syndrom, das Kontaktverhalten sowie Krankheits- und Behandlungseinsicht.

Sie sind der Ausgangspunkt, an dem sich jede spätere Besserung messen lässt. Ohne klaren Eintrittsbefund fehlt dem Entlasszustand der Vergleich.

💡 Mein Tipp:Ich beschreibe zuerst das Syndrom und erst danach einzelne Symptome. Bei vorbekannten Krankheitsbildern erwähne ich meine Vermutung ob die aktuelle Symptomatik als Teil der Erkrankung vorliegt oder ein eigenständiges Krankheitsbild darstellt. 

Was gehört hinein?

Symptome nach ICD-10: Die leitenden Symptome, die für die Diagnosekriterien nach ICD-10 relevant sind.

Syndromal: Die Zusammenfassung der Symptome zu einem Syndrom, etwa depressiv, manisch oder paranoid-halluzinatorisch.

Kontaktverhalten: Wie die Patientin oder der Patient im Gespräch wirkte, etwa zugewandt, misstrauisch, distanzlos oder kaum erreichbar.

Krankheits- und Behandlungseinsicht: Ob sich die Person als krank erlebt und ob sie einer Behandlung zustimmt. Beides kann auseinanderfallen.

 

Beispiel entwickelt durch den Generator: 

Im Erstkontakt zeigte sich der Patient sachlich, formal und distanziert im Kontaktverhalten. Angaben erfolgten überwiegend auf gezielte Nachfrage, spontane Äusserungen waren kaum vorhanden.

Häufige Fehler: 

⚠ Nur die Diagnose steht da, das Syndrom und die leitenden Symptome fehlen.

⚠ Kontaktverhalten und Krankheitseinsicht werden weggelassen, obwohl sie den Verlauf erklären.

E3 Gefährdung bei Eintritt

Die Gefährdung bei Eintritt dokumentiert Eigengefährdung, Fremdgefährdung und gegebenenfalls Zwangsmassnahmen zum Zeitpunkt der Aufnahme.

Diese Einschätzung ist klinisch und rechtlich zentral: Sie begründet Behandlungsentscheidungen und macht nachvollziehbar, warum bestimmte Massnahmen nötig waren.

💡 Mein Tipp: Auch wenn keine Gefährdung besteht, schreibe ich das ausdrücklich hin. Ein fehlender Satz lässt offen, ob überhaupt danach gefragt wurde.

Was gehört hinein?

Eigengefährdung: Suizidalität, Selbstverletzung und Selbstvernachlässigung, mit Einschätzung der Absprachefähigkeit.

Fremdgefährdung: Hinweise auf Aggression oder Gewalt gegenüber anderen, etwa im Rahmen von Wahn oder Agitation.

Zwangsmassnahmen: Ob bei Aufnahme Isolation, Fixierung oder Zwangsmedikation nötig waren, mit Art, Dauer und Anlass.

 

Beispiel entwickelt durch den Generator: 

Bei Aufnahme bestanden aktive Suizidgedanken mit erhöhter Eigengefährdung. Entsprechende Schutzmassnahmen wurden veranlasst und in die Behandlungsplanung integriert.

Häufige Fehler: 

⚠ Die Gefährdung wird nur im Verlauf beschrieben, nicht bei Eintritt.

⚠ Zwangsmassnahmen ohne Art, Dauer und Begründung.

V wie Verlauf: die Epikrise mit Behandlung, Therapien, Gefährdung, Recht und Diagnostik

Die Phase Verlauf beschreibt den stationären Aufenthalt und stützt sich auf die laufende Verlaufsdokumentation: Behandlung, weitere Therapien, Gefährdung im Verlauf, rechtliche Aspekte und Diagnostik.

V1 Behandlung: Medikation, Aufklärung und Monitoring

Der Abschnitt Behandlung fasst Medikation, Aufklärung und Einwilligung, Compliance, Nebenwirkungen, EKG, Labor, Medikamentenspiegel und das Ansprechen bis zur Remission zusammen. 

Für die Weiterbehandlung ist er oft der wichtigste Teil. Wer die Medikation übernimmt, muss wissen, was gewirkt hat, was nicht vertragen wurde und welche Kontrollen unauffällig waren.

💡 Mein Tipp: Medikationsänderungen im Verlauf sind begründet und können aufgrund fehlender Wirksamkeit, Nebenwirkungen oder andersweitig begründet sein. Für mich war es immer hilfreich im Verlauf zu notieren warum das Medikament geändert wurde. So war es für mich schneller auffindbar und für Kollegen in meiner Abwesenheit leicht ersichtlich. 

 

Was gehört hinein?

Medikationsübernahme und Medikation: Welche Vormedikation übernommen, angepasst oder abgesetzt und welche Medikation neu begonnen wurde.

Aufklärung und Einwilligung: Dass über Wirkung, Nebenwirkungen und Alternativen aufgeklärt wurde und eine Einwilligung vorliegt, oder weshalb dies nicht möglich war.

Medikamentöse Compliance: Ob die Medikation zuverlässig eingenommen wurde.

Nebenwirkungen: Aufgetretene unerwünschte Wirkungen und wie darauf reagiert wurde.

EKG: Ergebnis und Bewertung, vor allem die QTc-Zeit bei entsprechender Medikation.

Labor: Relevante Werte mit Bewertung, etwa Blutbild, Leber- und Nierenwerte.

Medikamentenspiegel: Gemessene Spiegel und ob sie im therapeutischen Bereich lagen.

Remission: Wie gut die Symptomatik auf die Behandlung angesprochen hat, von Teil- bis Vollremission.

Beispiel aus unserem Generator: 

Es erfolgte eine antidepressive Medikation mit [Präparat: Name], einschleichend bis zur Zieldosis von [Dosis] mg/Tag. Der Patient wurde umfassend über die neu verordnete bzw. angepasste Medikation (Wirkung, Nebenwirkungen, Risiken und Alternativen) aufgeklärt. Das Verständnis wurde im Gespräch überprüft und dokumentiert. Es lag eine informierte Einwilligung in die Pharmakotherapie vor. Der Patient stimmte der verordneten Medikation sowie dem Behandlungsplan zu. Die Umstellung bzw. Neueinstellung der Medikation verlief ohne Auftreten von klinisch relevanten Nebenwirkungen. Die Medikation wurde insgesamt gut vertragen. Das durchgeführte EKG zeigte einen unauffälligen Befund ohne pathologische Veränderungen oder QTc-Verlängerung.

Häufige Fehler: 

⚠ Aufklärung und Einwilligung werden nicht erwähnt.

⚠ EKG, Labor oder Spiegel stehen ohne Bewertung im Bericht.

V2 Weitere Therapien

Unter weiteren Therapien stehen die Therapieteilnahme, das Sozialverhalten auf Station und Abwesenheiten wie Ausgang, Urlaub oder Belastungserprobung.

Diese Angaben zeigen, wie belastbar die Patientin oder der Patient im Alltag ist. Komplikationslose Abwesenheiten sind oft das stärkste Argument für einen sicheren Austritt.

💡 Mein Tipp:Vor dem Schreiben frage ich Pflege und Therapien kurz nach ihrem Eindruck. Das macht diesen Abschnitt konkret statt allgemein.

Was gehört hinein?

Therapieteilnahme: An welchen Therapien die Person teilgenommen hat, etwa Psycho-, Ergo- oder Bewegungstherapie, und wie regelmässig.

Sozialverhalten: Das Verhalten auf Station, im Kontakt zu Mitpatient:innen und zum Team.

Abwesenheit: Ausgänge, Urlaube bzw. Belastungserprobungen und wie sie verlaufen sind.

Beispiel aus unserem Generator: 

Er nahm aktiv am Stationsleben teil und zeigte sich im Kontakt mit dem Behandlungsteam sowie den Mitpatienten offen, freundlich und zugewandt.

Häufige Fehler: 

⚠ Therapien werden aufgezählt, ohne etwas über Teilnahme oder Nutzen zu sagen.

⚠ Abwesenheiten wie Ausgang oder Urlaub fehlen, obwohl sie die Austrittsplanung stützen.

V3 Gefährdung im Verlauf

Die Gefährdung im Verlauf beschreibt, wie sich Eigen- und Fremdgefährdung während des Aufenthalts entwickelt haben und ob Zwangsmassnahmen nötig waren.

Zusammen mit der Gefährdung bei Eintritt und der Suizidalität bei Austritt ergibt sich so eine lückenlose Risikodokumentation über den gesamten Aufenthalt.

💡 Mein Tipp: Wenn es Zwangsmassnahmen gab, nenne ich Art, Dauer und Anlass in einem einzigen Satz.

Was gehört hinein?

Eigengefährdung: Wie sich Suizidalität und Selbstgefährdung während des Aufenthalts entwickelt haben.

Fremdgefährdung: Ob es im Verlauf zu aggressivem Verhalten kam oder die Fremdgefährdung abgenommen hat.

Zwangsmassnahme: Alle Zwangsmassnahmen während des Aufenthalts, jeweils mit Art, Dauer und Anlass.

Beispiel aus unserem Generator: 

Aufgrund einer akuten Eigen- und/oder Fremdgefährdung war eine räumliche Isolation des Patienten erforderlich. Die Massnahme wurde entsprechend den gesetzlichen Grundlagen angeordnet, engmaschig überwacht und regelmässig hinsichtlich ihrer weiteren Notwendigkeit überprüft. Die Betreuung erfolgte durch qualifiziertes Personal mit dokumentierten Verlaufskontrollen.

Häufige Fehler: 

⚠ Die Entwicklung der Gefährdung zwischen Eintritt und Austritt bleibt offen.

⚠ Durchgeführte Zwangsmassnahmen fehlen im Bericht.

V4 Rechtliches: Status bei Austritt und Anschlusslösung

Der Abschnitt Rechtliches hält freiheitsbeschränkende Massnahmen, behördliche Massnahmen und die Anschlusslösung nach dem Austritt fest.

Nachbehandelnde müssen wissen, ob eine Unterbringung aufgehoben wurde, ob eine Beistandschaft, Betreuung oder Erwachsenenvertretung besteht und wo die Patientin oder der Patient künftig lebt.

💡 Mein Tipp: Vor dem Austritt prüfe ich, ob der rechtliche Status im Bericht mit dem aktuellen Stand übereinstimmt.

Was gehört hinein?

Freiheitsbeschränkende Massnahmen: Ob eine Unterbringung weiter besteht, verlängert oder aufgehoben wurde, sowie weitere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.

Behördliche Massnahmen: Bestehende oder neu eingeleitete Massnahmen wie Beistandschaft (Schweiz), rechtliche Betreuung (Deutschland) oder Erwachsenenvertretung (Österreich).

Anschlusslösung: Wo und wie die Person nach dem Austritt lebt, etwa zu Hause, betreut oder in einer Einrichtung.

Beispiel aus unserem Generator: 

Die ärztliche fürsorgerische Unterbringung konnte bei ausreichender Stabilisierung, Kooperationsbereitschaft sowie fehlender Selbstgefährdung am ___ aufgehoben werden.

Häufige Fehler: 

⚠ Der rechtliche Status bei Austritt bleibt offen.

⚠ Bestehende Massnahmen wie Beistandschaft, Betreuung oder Erwachsenenvertretung werden nicht genannt.

V5 Diagnostik: Diagnosen nach ICD-10 und Zusatzbefunde

In der Diagnostik stehen Haupt- und Nebendiagnosen nach ICD-10 sowie die Ergebnisse der Zusatzdiagnostik wie cMRI bzw. cMRT, Liquor, neurologische Abklärung und Drogenscreening.

Vollständig und korrekt kodierte Diagnosen sind die Grundlage für Weiterbehandlung, Abrechnung und Statistik. Zusatzbefunde gehören mit ihrem Ergebnis in den Bericht, nicht nur mit dem Hinweis, dass sie erfolgt sind.

💡 Mein Tipp: Ich übernehme die Diagnosen erst ganz am Schluss und gleiche sie mit dem Verlauf ab. Arbeitsdiagnosen vom Eintritt ändern sich oft.

Was gehört hinein?

Diagnose nach ICD-10: Die Hauptdiagnose mit Code, abgeglichen mit dem Verlauf.

Nebendiagnosen nach ICD-10: Weitere psychiatrische und somatische Diagnosen, jeweils mit Code.

Zusatzdiagnostik: Durchgeführte Untersuchungen wie Bildgebung, Liquor, neurologische Abklärung oder Drogenscreening, jeweils mit Ergebnis.

Beispiel aus unserem Generator: 

Die Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) ergab sich aus dem Vorliegen aller drei Hauptsymptome sowie mindestens vier weiterer charakteristischer Symptome in ausgeprägter Form. Die Symptomatik bestand seit über zwei Wochen und führte zu einer nahezu vollständigen Unfähigkeit, berufliche, soziale oder häusliche Aktivitäten fortzusetzen. Psychotische Symptome lagen nicht vor.

Häufige Fehler: 

⚠ Nebendiagnosen, auch somatische, fehlen.

⚠ Zusatzdiagnostik wird erwähnt, das Ergebnis aber nicht.

A wie Austritt: Entlasszustand und Suizidalität

Der Abschnitt Austritt beschreibt die Entlassungsmodalität, den Entlasszustand und die Einschätzung der Suizidalität zum Austrittszeitpunkt.

Die Suizidalität bei Austritt ist eine der wichtigsten Angaben des gesamten Berichts. Sie sollte immer ausdrücklich beurteilt werden, auch wenn sie unauffällig ist.

💡 Mein Tipp: Suizidalität exploriere ich beim Austrittsgespräch und dokumentiere es ebenso im Austrittsbericht.

 

Was gehört hinein?

Entlassungsmodalität: Wie der Austritt erfolgte, etwa regulär, gegen ärztlichen Rat oder als Verlegung.

Entlasszustand: Der psychopathologische Zustand bei Austritt im Vergleich zum Eintritt, einschliesslich Restsymptomen.

Suizidalität: Die ausdrückliche Einschätzung zum Austrittszeitpunkt, mit Distanzierung, Absprachefähigkeit und Schutzfaktoren.

Beispiel aus unserem Generator: 

Bei Entlassung verneinte der Patient klar suizidale Gedanken oder Handlungsimpulse. Zukunftsperspektiven konnten benannt werden, und es besteht ein tragfähiges soziales Netz. Eine ambulante Weiterbehandlung durch [Zuweiser] ist sichergestellt.

Häufige Fehler: 

⚠ Die Suizidalität bei Austritt wird nicht ausdrücklich beurteilt.

⚠ Der Entlasszustand beschreibt nur „gebessert“, ohne Restsymptome.

P wie Prozedere: Empfehlungen für die Nachbehandlung

Im Prozedere stehen die Empfehlungen für die Nachbehandlung: Laborkontrollen, das diagnosebezogene Vorgehen nach ICD-10, die Therapiekontinuität und die Mitgaben bei Austritt.

Hier entscheidet sich, ob der Übergang in die ambulante Versorgung gelingt. Konkrete Termine, Zuständigkeiten und Kontrollen helfen mehr als allgemeine Empfehlungen.

💡 Mein Tipp:Ich schreibe jede Empfehlung so, dass klar ist, wer sie umsetzt und bis wann oder in welchen Abständen.

 

Was gehört hinein?

Nachbehandlung: Wer die Weiterbehandlung übernimmt, etwa Hausärztin, ambulante Psychiatrie oder Tagesklinik.

Laborkontrollen: Welche Kontrollen wann empfohlen werden und wer sie durchführt.

Prozedere nach ICD-10: Diagnosebezogene Empfehlungen, etwa zur Rückfallprophylaxe.

Entlassung: Wann und wohin die Entlassung erfolgt.

Therapiekontinuität: Wie die begonnene Therapie ohne Unterbrechung ambulant weitergeführt wird, mit vereinbarten Terminen.

Mitgaben bei Austritt: Was die Person beim Austritt mitbekommt, etwa Medikamente für die ersten Tage, Rezepte oder Termine.

Beispiel aus unserem Generator: 

Die ambulante psychiatrische Weiterbehandlung übernimmt freundlicherweise: [Name]. Der nächste Termin ist am [Datum].

Häufige Fehler: 

⚠ Unklar, wer die Nachbehandlung übernimmt und wann.

⚠ Empfehlungen ohne konkrete Kontrollen oder Termine.

Textbausteine Psychiatrie: Formulierungen vorher und nachher

Gute Formulierungen im psychiatrischen Arztbrief sind konkret, vollständig und für Nachbehandelnde ohne Rückfrage verständlich.

Kurzformeln aus dem Stationsalltag sparen beim Schreiben Sekunden und kosten beim Lesen Klarheit. Hier sind typische Kurzformeln, die ich in Berichten immer wieder sehe, und wie sie besser gehen. Die Nachher-Formulierungen stammen aus unserem Textbaustein-Generator, geordnet nach den Abschnitten des EVAP-Schemas.

Abschnitt Vorher Nachher
E2 · Eintrittssymptome ✗ Pat. im Kontakt reserviert.

✓ Im Erstkontakt zeigte sich der Patient sachlich, formal und distanziert im Kontaktverhalten. Angaben erfolgten überwiegend auf gezielte Nachfrage, spontane Äusserungen waren kaum vorhanden.

V2 · Weitere Therapien ✗ Pat. zwischenzeitlich entwichen, und kam wieder.

✓ Am [Datum und Uhrzeit] verliess der Patient die Station ohne vorherige Absprache und war für [Dauer] abwesend. Die Rückkehr erfolgte am [Datum und Uhrzeit] selbstständig bzw. nach Kontaktaufnahme durch das Behandlungsteam.

V5 · Diagnostik ✗ Zusätzlich THC-Abusus.

✓ Nebendiagnostisch bestand ein Cannabinoidabhängigkeitssyndrom. Die Behandlung umfasste Stabilisierung, Förderung der Abstinenzmotivation und Aufklärung über Rückfallrisiken. Eine weiterführende suchttherapeutische Nachsorge wurde empfohlen.

A · Austritt ✗ Suizidalität verneint, absprachefähig.

✓ Bei Entlassung verneinte der Patient klar suizidale Gedanken oder Handlungsimpulse. Zukunftsperspektiven konnten benannt werden, und es besteht ein tragfähiges soziales Netz. Eine ambulante Weiterbehandlung durch [Zuweiser] ist sichergestellt.

P · Prozedere ✗ Metabolische Kontrollen beim HA.

✓ Bei Therapie mit [Substanz] werden regelmässige metabolische Kontrollen (Gewicht, Blutdruck, Blutzucker, Lipidprofil) beim Hausarzt empfohlen. Kontrolle initial nach 3 Monaten, danach jährlich oder bei klinischer Indikation.

Checkliste vor dem Versand des Austrittsberichts

 Diese zehn Punkte prüfe ich, bevor ein Bericht an die Oberärztin oder den Oberarzt geht.

☐ Rechtsgrundlage bei Eintritt benannt

☐ Gefährdung bei Eintritt und im Verlauf dokumentiert

☐ Zwangsmassnahmen mit Art, Dauer und Anlass beschrieben

☐ Aufklärung und Einwilligung zur Medikation erwähnt

☐ EKG, Labor und Spiegel mit Bewertung, nicht nur als Hinweis

☐ Diagnosen nach ICD-10 mit dem Verlauf abgeglichen

☐ Suizidalität bei Austritt ausdrücklich beurteilt

☐ Rechtlicher Status bei Austritt geklärt

☐ Empfehlungen mit Zuständigkeit und Termin

☐ Keine intimen Details und keine Angaben zu Dritten ohne Einverständnis

Austrittsbericht, Entlassbrief, Arztbrief oder Arztbericht: was ist was?

Gemeint ist in allen drei Ländern dasselbe Dokument: die ärztliche Zusammenfassung des stationären Aufenthalts für die nachbehandelnden Ärztinnen und Ärzte. Nur die Begriffe unterscheiden sich. Als Oberbegriff sind in allen drei Ländern Arztbrief und Arztbericht gebräuchlich.

Schweiz Deutschland Österreich
Austrittsbericht Entlassbrief, Entlassungsbericht Entlassungsbrief
Eintritt / Austritt Aufnahme / Entlassung Aufnahme / Entlassung
Fürsorgerische Unterbringung (FU) Unterbringung nach PsychKG bzw. BGB Unterbringung nach UbG
KESB, Beistandschaft Rechtliche Betreuung Erwachsenenvertretung
Arbeitsunfähigkeit Arbeitsunfähigkeit Krankenstand

Grenzen dieses Leitfadens

⚠ Fiktive Beispiele. Die Formulierungen zeigen Aufbau und Stil, sie sind keine Vorlage für einen realen Fall.

⚠ Klinikvorgaben gehen vor. Viele Kliniken haben eigene Berichtsvorlagen, Reihenfolgen und Längenvorgaben.

⚠ Länderspezifisches Recht. Die Beispiele zur Rechtsgrundlage beziehen sich auf die Schweiz. In Deutschland und Österreich gelten andere Regelungen und Begriffe.

FAQ zum Arztbrief in der Psychiatrie

Was ist der Unterschied zwischen Arztbrief, Arztbericht, Entlassbrief und Epikrise?

Arztbrief und Arztbericht sind die Oberbegriffe für die ärztliche Korrespondenz zu einem Behandlungsfall. Der Entlassbrief, in der Schweiz Austrittsbericht, ist der Arztbrief am Ende eines stationären Aufenthalts. Die Epikrise ist sein zusammenfassender Kern: Therapie und Verlauf mit ärztlicher Einordnung. Genau diesen Teil deckt das EVAP-Schema ab.

Wie lang sollte ein psychiatrischer Austrittsbericht sein?

Eine feste Vorgabe gibt es nicht, viele Kliniken haben eigene Richtlinien. Als Faustregel orientiert sich die Länge an der Aufenthaltsdauer: bei einigen Tagen ein bis zwei Seiten, bei einigen Wochen zwei bis drei, bei mehreren Monaten drei bis vier Seiten. Die Epikrise selbst passt meist auf eine halbe bis eine Seite.

Bis wann muss der Austrittsbericht fertig sein?

Idealerweise erhält die Patientin oder der Patient den Bericht bereits bei Austritt. Ist das nicht möglich, sollte er zeitnah folgen, eine gängige Empfehlung sind höchstens zwei Wochen. Verbindlich sind die Vorgaben der eigenen Klinik.

In welcher Zeitform und Person schreibe ich den Bericht?

Üblich ist die Vergangenheitsform. Über die Patientin oder den Patienten schreibt man in der dritten Person, über das Behandlungsteam in der ersten Person Plural („wir“). Angaben der Patientin, des Patienten oder Dritter stehen in der indirekten Rede, eigene Befunde in der direkten.

In welcher Reihenfolge schreibe ich den Bericht?

Ich empfehle das EVAP-Schema, das dem Aufenthalt in vier Phasen folgt: Eintritt, Verlauf, Austritt und Prozedere. Viele Kliniken stellen die Diagnosen an den Anfang. Richte dich nach der Vorlage deines Hauses.

Muss die Suizidalität bei Austritt immer dokumentiert werden?

Die Einschätzung der Suizidalität zum Austrittszeitpunkt gehört in jeden psychiatrischen Austrittsbericht. Sie ist für die Nachbehandlung zentral.

Was gehört nicht in einen psychiatrischen Arztbrief?

Intime Details, die im Vertrauen auf die Schweigepflicht anvertraut wurden, gehören nicht in den Bericht, ebenso wenig Merkmale ohne Krankheitswert wie die sexuelle Orientierung, sofern die Patientin oder der Patient nicht einverstanden ist. Angaben zu Traumata und zu Dritten bleiben so knapp und neutral wie möglich, etwa „aufgrund einer Konfliktsituation“.

Darf ich Textbausteine verwenden?

Ja, wenn sie eine spezifische Aussage tragen und zum Fall passen. Textbausteine sparen Zeit und sorgen für einheitliche Formulierungen, müssen aber immer an die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten angepasst werden.

Wie schreibe ich den Austrittsbericht schneller?

Eintritt und Verlauf laufend dokumentieren, dann entsteht ein grosser Teil des Berichts schon während des Aufenthalts. Für wiederkehrende Formulierungen helfen Textbausteine. Genau dafür habe ich den Textbaustein-Generator von Psychiatrie Digital gebaut, der alle Phasen des EVAP-Schemas abdeckt.

Kann ich den Arztbrief mit KI wie ChatGPT schreiben?

Echte Patientendaten gehören nicht in frei verfügbare KI-Dienste. Ob und welche KI-Werkzeuge erlaubt sind, regeln Datenschutz und Klinikvorgaben. Textbausteine lassen sich dagegen ohne Eingabe von Patientendaten nutzen: Du wählst die passenden Formulierungen aus und ergänzt die persönlichen Angaben erst im KIS.

Was ist der Unterschied zum Kurzbericht?

Der Kurzbericht bzw. Kurzarztbrief begleitet die Patientin oder den Patienten am Austrittstag mit Diagnosen, Medikation und Prozedere. Der ausführliche Austrittsbericht folgt später.

Dürfen Patientinnen und Patienten ihren Austrittsbericht einsehen?

Grundsätzlich haben Patientinnen und Patienten ein Recht auf Einsicht in ihre Unterlagen. Einschränkungen sind nur in Ausnahmefällen möglich. Die Einzelheiten regelt das Recht des jeweiligen Landes.

Quellen

AMDP (Hrsg.): Das AMDP-System. Manual zur Dokumentation psychiatrischer Befunde. Hogrefe, aktuelle Auflage.

WHO: Internationale Klassifikation der Krankheiten, ICD-10, in der jeweils gültigen Landesfassung (z. B. ICD-10-GM).

DGPPN: S3-Leitlinie Schizophrenie, aktuelle Fassung.

Schweiz: Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB), Art. 426–439, fürsorgerische Unterbringung.

Deutschland: Psychisch-Kranken-Gesetze (PsychKG) der Bundesländer; § 1831 BGB; § 630g BGB (Einsichtnahme in die Patientenakte).

Österreich: Unterbringungsgesetz (UbG).

Dreher, J.: Die zehn Gebote der psychiatrischen Arztbriefschreibung. Psychiatrie to go, 2014.

Deutsches Ärzteblatt: Krankenhaus: Verfassen von Arztbriefen, 2024.

Autor:

Dr. med. univ Robert Trojak

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