Benzodiazepin Umrechner

Benzodiazepin Umrechner

Äquivalenzdosen für die DACH-Region · Ashton 2002 & Lader et al. 2009

Nur für medizinisches Fachpersonal. Äquivalenzdosen dienen primär dem Ausschleichen – kein Ersatz für klinisches Urteil. Interindividuelle Variabilität und Toleranzentwicklung müssen berücksichtigt werden.

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mg

3 · Methode

Halbwertszeit

Kurz <12 h Mittel 12–24 h Lang >24 h

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Die Äquivalenzdosen erscheinen hier

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Referenzsubstanz ist Diazepam 10 mg – alle anderen Benzodiazepine werden darauf bezogen.
  • Primäre Quelle: Ashton (2002), Fallback: Lader et al. (2009) – besonders relevant für Z-Substanzen.
  • 1 mg Lorazepam ≙ 10 mg Diazepam (Ashton) | 1 mg Alprazolam ≙ 20 mg Diazepam
  • Äquivalenzdosen sind Richtwerte – kein Ersatz für das individuelle klinische Urteil.
  • Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon) haben kein Ashton-Äquivalent – Lader-Schätzungen mit erhöhter Unsicherheit.
  • ⚠: Abruptes Absetzen kann bei längerer Einnahme Krampfanfälle auslösen – strukturiertes Ausschleichen obligat.

Benzodiazepin-Äquivalenztabelle –

Häufigste Umrechnungen auf einen Blick

Diazepam-Äquivalente für die gebräuchlichsten Substanzen – direkt abrufbar ohne Tool-Eingabe

Substanz

Beispieldosis

= Diazepam

Methode

HWZ

Lorazepam (Tavor®)

1 mg

10 mg

Ashton 2002

kurz

Alprazolam (Xanax®)

1 mg

20 mg

Ashton 2002

kurz

Oxazepam (Seresta®)

20 mg

10 mg

Ashton 2002

kurz

Clonazepam (Rivotril®)

0,5 mg

10 mg

Ashton 2002

lang

Zolpidem (Stilnox®)

10 mg

≈ 10 mg*

Lader 2009

kurz

Zopiclon (Imovane®)

7,5 mg

≈ 10 mg*

Lader 2009

kurz

* Z-Substanzen: kein Ashton-Äquivalent verfügbar – erhöhte Schätzunsicherheit.

Wie funktioniert die Benzodiazepin Umrechnung?

Alle Benzodiazepine wirken am GABA-A-Rezeptor, unterscheiden sich jedoch erheblich in Potenz, Pharmakodynamik und Halbwertszeit. Die Umrechnung basiert auf dem Konzept der Diazepam-Äquivalente: Wie viel mg einer Substanz X entsprechen klinisch 10 mg Diazepam?

Die am weitesten verbreitete Referenz ist die Ashton-Tabelle (2002) von Prof. Heather Ashton (Universität Newcastle), die auf jahrelanger klinischer Erfahrung mit Benzodiazepin-Entzugspatienten basiert. Ergänzend werden Daten von Lader et al. (2009) herangezogen, die in der Zeitschrift CNS Drugs publiziert wurden.

GRUNDFORMEL

Diazepam-Äquivalent = (Dosis in mg ÷ Äquivalenzfaktor) × 10

Beispiel Lorazepam 2 mg:

(2 mg ÷ 1) × 10 = 20 mg Diazepam

Wichtig: Äquivalenzdosen sind populationsbezogene Schätzwerte. Toleranzentwicklung, individuelle Metabolisierungsunterschiede (CYP3A4-Polymorphismen) und komorbide Erkrankungen können erheblich abweichen.

Lorazepam in Diazepam umrechnen

Lorazepam (Tavor®, Temesta®) ist im deutschsprachigen Raum eines der meistverordneten Benzodiazepine und der klinische Standard bei akuter Agitation sowie Status epilepticus. Die Umrechnung ist klinisch besonders relevant, da Lorazepam stationär häufig in Äquivalenzdosen dosiert wird.

LORAZEPAM → DIAZEPAM (ASHTON 2002)

1 mg Lorazepam = 10 mg Diazepam

2 mg Lorazepam = 20 mg Diazepam

4 mg Lorazepam = 40 mg Diazepam

⚠ Lader 2009: 0,5 mg Lorazepam = 10 mg Diazepam (2× konservativer)

Lorazepam hat keine aktiven Metaboliten und wird direkt glukuronidiert – ein entscheidender Vorteil bei Leberinsuffizienz und bei älteren Patienten. Die kurze Halbwertszeit (10–20 h) kann jedoch zwischen den Gaben zu Rebound-Angst führen.

Für das Ausschleichen empfiehlt sich eine Umstellung auf Diazepam (Ashton-Protokoll).

Cave Äquivalenzunsicherheit: Die Diskrepanz zwischen Ashton (1 mg) und Lader (0,5 mg) beträgt 100%. Bei unsicherer Toleranz oder Erstumstellung immer konservativ (Lader-Wert) beginnen und titrieren.

Alprazolam Äquivalenzdosis berechnen

Alprazolam (Xanax®) ist ein hochpotentes Triazolobenzodiazepin mit kurzer Halbwertszeit (6–20 h) und ausgeprägtem Abhängigkeitspotenzial. Es gehört zu den schwierigsten Benzodiazepinen beim Ausschleichen.

ALPRAZOLAM → DIAZEPAM (ASHTON 2002 = LADER 2009)

0,25 mg Alprazolam = 5 mg Diazepam

0,5 mg Alprazolam = 10 mg Diazepam

1 mg Alprazolam = 20 mg Diazepam

2 mg Alprazolam = 40 mg Diazepam

Formel: Diazepam (mg) = Alprazolam (mg) × 20

Die Übereinstimmung zwischen Ashton und Lader für Alprazolam ist gut (beide 0,5 mg 10 mg Diazepam). Die kurze Halbwertszeit führt jedoch zu ausgeprägten Rebound-Symptomen zwischen den Gaben und macht direktes Ausschleichen oft unpraktikabel.

Klinische Empfehlung: Vor dem Ausschleichen Umstellung auf eine äquivalente Diazepam-Dosis, dann schrittweise Reduktion nach Ashton-Protokoll. Abruptes Absetzen kann Krampfanfälle auslösen.

Oxazepam in Diazepam umrechnen

Oxazepam (Seresta®) ist ein niedrig-potentes Benzodiazepin mit kurzer Halbwertszeit (4–15 h) ohne aktive Metaboliten. Es gilt als bevorzugte Substanz bei Leberinsuffizienz und älteren Patienten.

OXAZEPAM → DIAZEPAM

10 mg Oxazepam = 5 mg Diazepam (Ashton 2002)

10 mg Oxazepam = 6,7 mg Diazepam (Lader 2009)

30 mg Oxazepam = 15 mg Diazepam (Ashton)

60 mg Oxazepam = 30 mg Diazepam (Ashton)

Formel: Diazepam (mg) = Oxazepam (mg) ÷ 2 [Ashton]

Die leichte Äquivalenzdiskrepanz zwischen Ashton (Faktor 20) und Lader (Faktor 15) ist bei Oxazepam klinisch moderat. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit kann Rebound-Angst zwischen den Gaben auftreten – für das Ausschleichen ist eine Umstellung auf Diazepam vorteilhaft.

Zolpidem und Zopiclon umrechnen – Z-Substanzen

Die sogenannten Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon) sind strukturell keine Benzodiazepine, wirken jedoch ebenfalls am GABA-A-Rezeptor (selektiv an ω1-Subeinheit). Klinisch zeigen sie ein dem Benzodiazepin-Profil vergleichbares Abhängigkeits- und Entzugspotenzial.

Z-SUBSTANZEN → DIAZEPAM (LADER 2009, KEIN ASHTON-WERT)

10 mg Zolpidem (Stilnox®) ≈ 10 mg Diazepam

7,5 mg Zopiclon (Imovane®) ≈ 10 mg Diazepam

10 mg Zaleplon (Sonata®) ≈ 10 mg Diazepam

⚠ Erhöhte Schätzunsicherheit – keine Ashton-Daten verfügbar

Wichtig: Für Z-Substanzen existieren keine validen pharmakologischen Äquivalenzdaten nach Ashton. Die Lader-Schätzungen basieren auf klinischer Beobachtung und sind mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Beim Ausschleichen von Z-Substanzen empfiehlt sich ein vorsichtiges, individuell angepasstes Vorgehen.

Zolpidem hat eine sehr kurze Halbwertszeit (2–3 h) und wird häufig mit paradoxen Schlafverhaltensänderungen und Amnesie assoziiert. Zopiclon (HWZ 3,5–6 h) hinterlässt einen charakteristischen metallischen Geschmack. Zaleplon (HWZ ~1 h) eignet sich fast ausschliesslich für Einschlafstörungen.

Ashton-Methode vs. andere Quellen

Für Benzodiazepin-Äquivalenzdosen stehen zwei Hauptquellen zur Verfügung: die Ashton-Tabelle (2002) und die Arbeit von Lader et al. (2009). Beide haben unterschiedliche Stärken und Limitationen.

Kriterium

Ashton 2002

Lader et al. 2009

Substanzabdeckung

16 Benzodiazepine

BZD + Z-Substanzen

Methodik

Klinische Erfahrung

Literatursynthese

Z-Substanzen

Nicht enthalten

Enthalten (Schätzwerte)

Lorazepam-Äquivalent

1 mg = 10 mg Diaz

0,5 mg = 10 mg Diaz

Empfehlung

Primärquelle

Fallback / Z-Substanzen

Methodenvergleich Beispiel: Temazepam 20 mg
Ashton: 20 mg ÷ 20 × 10 = 10 mg Diazepam
Lader: 20 mg ÷ 10 × 10 = 20 mg Diazepam
Δ = 10 mg (100%) – klinisch erhebliche Diskrepanz!

Grenzen der Äquivalenzdosen beim Ausschleichen

Äquivalenzdosen sind Populationsmittelwerte und berücksichtigen keine individuellen Faktoren. Die folgenden Limitationen müssen bei der klinischen Anwendung beachtet werden:

Toleranzentwicklung: Bei langjähriger Einnahme kann die effektive Dosis deutlich von der berechneten Äquivalenz abweichen. Die Toleranz entwickelt sich substanzspezifisch.

Hyperbolisches Ausschleichen: Horowitz & Taylor (2019) zeigten, dass gleiche mg-Schritte am unteren Dosisende zu überproportionaler Rezeptorveränderung führen – daher empfehlen sich immer kleinere Schritte (<5% der Vortagesdosis) am Ende.

Pharmakogenetik: CYP3A4- und CYP2C19-Polymorphismen beeinflussen die Metabolisierung erheblich. Besonders bei Midazolam, Triazolam und Alprazolam können Slow/Rapid Metabolizer erheblich abweichen.

Kombinationstherapien: Gleichzeitige Antipsychotika, Antidepressiva oder Antiepileptika können den Ausschleichverlauf beeinflussen.

HYPERBOLISCHE REDUKTION (HOROWITZ & TAYLOR 2019)

Von 10 mg auf 9 mg Diazepam = −14% Rezeptorbesetzung

Von 2 mg auf 1 mg Diazepam = −33% Rezeptorbesetzung

Empfehlung: ≤10% Reduktion pro Schritt · 2–4 Wochen Pause zwischen Schritten

Am unteren Ende: Schritte von 0,5 mg oder weniger

FAQ

Wie viel Diazepam entspricht 1 mg Lorazepam?

Nach Ashton (2002) entspricht 1 mg Lorazepam (Tavor®, Temesta®) exakt 10 mg Diazepam. Nach Lader et al. (2009) ist der Wert konservativer: 0,5 mg Lorazepam = 10 mg Diazepam. Die Diskrepanz zwischen beiden Quellen (Faktor 2) ist klinisch erheblich. Bei unsicherer Toleranz wird empfohlen, mit dem Lader-Wert zu beginnen und individuell zu titrieren.

Was sind die Diazepam-Äquivalente für Alprazolam 0,5 mg?

0,5 mg Alprazolam (Xanax®) entsprechen 10 mg Diazepam nach Ashton (2002) und Lader et al. (2009) – hier sind beide Quellen ausnahmsweise deckungsgleich. Alprazolam ist hochpotent (Faktor 20) und hat eine kurze HWZ (6–20 h). Für das Ausschleichen wird eine Umstellung auf Diazepam dringend empfohlen, da direkte Dosisreduktionen zu ausgeprägter Rebound-Angst führen.

Wie rechne ich Zolpidem 10 mg in Diazepam um?

Nach Lader et al. (2009) entsprechen 10 mg Zolpidem (Stilnox®) ca. 10 mg Diazepam. Für Zolpidem gibt es keinen Ashton-Wert. Die Schätzung ist mit erhöhter Unsicherheit behaftet. Zolpidem hat eine sehr kurze HWZ (2–3 h) und zeigt trotz Non-Benzodiazepin-Struktur ein vergleichbares Abhängigkeitspotenzial. Beim Ausschleichen empfiehlt sich ein vorsichtiges, schrittweises Vorgehen.

Wie lange sollte das Benzodiazepin-Ausschleichen dauern?

Die Ashton-Methode empfiehlt bei längerer Einnahmedauer (>1 Jahr) einen Zeitraum von 6–18 Monaten für das vollständige Ausschleichen. Bei kürzerer Einnahme (<3 Monate) sind 4–8 Wochen häufig ausreichend. Die Schritte sollten nicht mehr als 10% der Vortagesdosis betragen, mit mindestens 2 Wochen Pause zwischen den Reduktionen. Am unteren Ende (unter 5 mg Diazepam) sind Schritte von 0,5 mg oder weniger sinnvoll.

Welches Benzodiazepin eignet sich am besten zum Ausschleichen?

Diazepam ist laut Ashton (2002) die bevorzugte Substanz zum Ausschleichen: lange HWZ (20–100 h inkl. aktiver Metabolit Desmethyldiazepam), gut in kleine Dosen teilbar (2 mg/5 mg/10 mg Tabletten), glatterer Plasmaspiegel-Verlauf mit weniger Rebound-Phänomenen. Als Alternative bei Leberinsuffizienz eignet sich Oxazepam (keine aktiven Metaboliten, direkte Glukuronidierung).

Was ist das Diazepam-Äquivalent von Clonazepam 2 mg?

2 mg Clonazepam (Rivotril®) entsprechen 40 mg Diazepam nach Ashton (2002) und Lader et al. (2009) – beide Quellen sind hier deckungsgleich. Clonazepam ist hochpotent (0,5 mg = 10 mg Diazepam) mit mittlerer bis langer HWZ (18–50 h). Trotz der langen HWZ ist das Abhängigkeitspotenzial hoch. Das Ausschleichen erfordert besondere Sorgfalt.

Kann ich Benzodiazepine direkt absetzen?

Nein – abruptes Absetzen nach längerer Einnahme (>4 Wochen) ist kontraindiziert. Es kann zu Entzugssymptomen führen: Angst, Insomnie, Tremor, Schwitzen, Krampfanfälle (bei hochdosierten Benzodiazepinen) und in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichem Delir. Laut AWMF-Leitlinien und Ashton (2002) ist ein strukturiertes Ausschleichen über Wochen bis Monate obligat. Bei Krampfanamnese besteht erhöhtes Risiko.

Wie viel Diazepam entspricht 7,5 mg Zopiclon?

7,5 mg Zopiclon (Imovane®) entsprechen nach Lader et al. (2009) ca. 10 mg Diazepam. Ashton-Daten existieren für Zopiclon nicht. Zopiclon hat eine kurze bis mittlere HWZ (3,5–6 h) und zeigt trotz Non-Benzodiazepin-Klassifikation ein klinisch vergleichbares Abhängigkeitsprofil. Beim Ausschleichen ist ein individuell angepasstes Vorgehen notwendig.

Autor:

Dr. med. univ Robert Trojak

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