F21 Schizotype Störung
Das Wichtigste in Kürze:
✓ Kernmerkmal: Tiefgreifendes Muster von exzentrischem Verhalten, bizarren Denkmustern und sozialem Rückzug, ohne jemals die Vollbild-Kriterien einer Schizophrenie erfüllt zu haben.
✓ Leitsymptome: Misstrauen, paranoide Vorstellungen, magisches Denken, ungewöhnliche Wahrnehmungserlebnisse (z. B. Körperillusionen) und ein unpassender, eingeengter Affekt.
✓ ICD-11 Update: Umbenennung und Neukodierung unter 6A22. Sie bleibt Teil des psychotischen Spektrums, wird aber klarer als stabiles, überdauerndes Muster definiert.
✓ Klinische Relevanz: Hohe Relevanz für die Frühdiagnostik; oft besteht eine genetische Nähe zu schizophrenen Erkrankungen („Spektrum-Erkrankung“).
✓ Doku-Tipp: Dokumentieren Sie die Abgrenzung zur schizoiden Persönlichkeitsstörung (dort fehlt meist das exzentrisch-magische Denken) und zur Borderline-Störung (hier steht die emotionale Instabilität im Vordergrund).
Definition
Die schizotype Störung ist eine andauernde psychische Störung, die durch sonderbares Denken, Wahrnehmungsstörungen, exzentrisches Verhalten und zwischenmenschliche Auffälligkeiten gekennzeichnet ist.
Sie gehört zum schizophrenen Formenkreis, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass keine anhaltende floride Psychose vorliegt.
Betroffene zeigen häufig paranoide Ideen, magisches Denken, soziale Ängstlichkeit und eigentümliche Kommunikationsmuster, behalten jedoch grundsätzlich einen Realitätsbezug. Die Störung beginnt meist früh im Erwachsenenalter und verläuft chronisch.
Diagnosekriterien nach ICD-10
Für die Diagnose einer schizotypen Störung müssen über einen längeren Zeitraum (mindestens zwei Jahre) mindestens vier der folgenden Merkmale bestehen:
Kernmerkmale
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Exzentrisches oder sonderbares Verhalten
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Auffällige äußere Erscheinung oder ungewöhnliche Gestik
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Eigentümliche Sprachweise oder Denkstile
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Wahrnehmungs- und Denkauffälligkeiten
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Magisches Denken (z. B. Glaube an besondere Kräfte, Telepathie)
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Überwertige Ideen
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Illusionäre Wahrnehmungen (keine echten Halluzinationen)
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Paranoide oder misstrauische Gedanken
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Emotionale und soziale Auffälligkeiten
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Affektverflachung oder unangemessener Affekt
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Soziale Ängstlichkeit, die auch bei vertrauten Personen anhält
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Deutliche Schwierigkeiten, enge Beziehungen aufzubauen
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Sozialer Rückzug
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Wichtige Abgrenzungen (Ausschlusskriterien)
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Keine anhaltenden Wahnvorstellungen
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Keine ausgeprägten Halluzinationen
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Keine schizophrene Episode in der Vorgeschichte
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Keine affektive Störung mit psychotischen Merkmalen
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Keine organische Ursache oder substanzinduzierte Symptomatik
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Update zu ICD-11
In der ICD-11 bleibt die schizotype Störung eng mit dem schizophrenen Spektrum verwandt, rückt aber konzeptionell näher an die Persönlichkeitsmerkmale heran:
- Neue Kodierung: Die schizotype Störung wird nun unter dem Code 6A22 geführt.
- Kategorisierung: Sie bleibt im Kapitel „Schizophrenie oder andere primäre psychotische Störungen“. Dies ist ein wichtiger Unterschied zum US-amerikanischen DSM-5, wo sie primär als Persönlichkeitsstörung (Cluster A) gilt.
- Beschreibung der Merkmale: Die ICD-11 betont die Beständigkeit der Symptome. Es handelt sich um ein überdauerndes Muster von exzentrischem Verhalten sowie Denk- und Wahrnehmungsanomalien, die nicht die Schwere einer Psychose erreichen.
- Abgrenzung: Die ICD-11 erleichtert die Abgrenzung zur Schizophrenie: Sobald eindeutige, anhaltende psychotische Symptome (wie langanhaltender Wahn oder Halluzinationen) auftreten, wird die Diagnose Schizophrenie (6A20) bevorzugt.